Samstag, 13. April 2013

Abschied nehmen.

Puh, schon wieder eine Weile her, dass ich einen Eintrag verfasst und auch hochgeladen habe. Nicht, dass ich einige in petto hätte, aber die ein oder andere Sache schwirrte mir schon im Kopf herum. :)

Da bliebe zum Beispiel der Eintrag über etwas, das mir viel bedeutet oder mich an etwas erinnert. Ich überlegte hin und her, ob ich etwas aus meiner Kindheit nehmen sollte, aber letztendlich drängte sich mir etwas völlig anderes auf.



Letztes Jahr im November, starb mit 16 Jahren mein Kater. Er war ein Familienmitglied seit meinem 8. Lebensjahr. Damals gingen wir oft in die Marheineke Markthalle, aßen oft an einer Würstchenbude und trafen dort Leute, die wir vom Sehen kannten. Es war irgendwann nach Ostern, als genau solch eine Bekanntschaft, eine sehr nette Frau, meinem Bruder eine große Wasserpistole schenkte und mir anbot, eines ihrer Kätzchen in meine Obhut zu nehmen. Mit einem Einkaufskorb machten meine Mutter, mein Bruder und ich, mit auf dem Weg zu ihr. Die Katze der Bekannten hatte drei Kätzchen geboren, eines war jedoch kurz nach der Geburt schon gestorben, da es weder richtig trinken noch atmen konnte. Wir schnappten uns das Erste, das uns über den Weg hoppelte, da sie sich versteckt hatten. An viel mehr, außer dann den Nachhauseweg, die Frau wohnte bei uns in der Nähe, kann ich mich gar nicht mehr erinnern.
Ich nannte die Katze "Mini", da wir zu dem Zeitpunkt alle der Überzeugung waren, dass es sich auch um ein Weibchen handelte, was sich als falsch herausstellte, als ich einen Gegenbeweis sah, als er sich einmal wusch. Haha!
Wir haben ihn ziemlich spät kastrieren lassen, wobei herauskam, dass einer seiner Hoden eingewachsen war. Außerdem hatte er daher noch ziemlich lang sein Markierungsverhalten, was meine Mutter regelmäßig verärgerte. Kurz nachdem er zu uns gekommen war, hatte er auch einmal auf das Kopfkissen meiner Mutter gemacht, was mich persönlich ziemlich zum Lachen gebracht hatte. Er war eine Weile lang ziemlich schnell reizbar und ein wenig aggressiv, was sich darin äußerte, dass er meinem Bruder und mir oft an die Beine sprang. Nachdem sein Spieltrieb etwas abnahm, änderte sich das.
Ebenfalls erinnere ich mich an einen Tag, in dem er sich als kleines Kätzchen hinter Schubladen in einem Kleiderschrank versteckte. Ich hatte etwas herausholen wollen und ihn erblickt. Als ich die Schublade wieder aufmachte, war er jedoch verschwunden. So probierte ich auch die anderen, bis ich alle herausnahm. Mini hatte hinten gesessen und einfach nur die Tatzen in die Schubladen gelegt. Frechdachs!

Oft habe ich gehört, dass Kater nach der Kastration dicker und ruhiger werden. In den letzten Jahren stimmte vor allem letzteres. (Trotzdem war er immer ziemlich schlank.) Weswegen er sich wohl auch ziemlich von unserem Katzenzuwachs "Katjes" gestört fühlte. Nach so vielen Jahren allein bei uns, war es anscheinend ziemlich schwer, eine andere Katze zu akzeptieren.

(Hier mit kleiner Wunde an der Nase. Da hatte die kleine Katze noch "Welpenschutz".)

(Dieses Bild bringt mich immer wieder zum Lachen!)


Als ich 2011 bei meiner Mutter auszog, hatte er endlich seine Ruhe. Er folgte mir oft auf Schritt und Tritt, was manchmal ziemlich nerven konnte. Haha!
Wenn ich nachts auf die Toilette ging und mir dann die Hände wusch, saß er mit verschlafenem Blinzeln vor der Tür und sah zu mir hoch. Und wenn ich die Wohnungstür aufschloss, begrüßte er mich. Für mich ließ er sogar meine König der Löwen-Momente über sich ergehen. Er schnurrte manchmal nur, wenn er mich sah und ich war die Einzige, bei der er sich vieles, wie zum Beispiel das Bauchkraulen gefallen ließ.


(Immer mit dabei sein.)

(Tune Up Catilities. Sherlocat Meowlmes.)

(Like a Sir.)

(Ist ja nicht so, als würde ich mich da noch anlehnen wollen.)

Er war nie krank gewesen, doch manchmal, was wohl auch an meiner Angewohnheit liegt, immer alle möglichen Katastrophen auszumalen, dachte ich darüber nach, wie wir beide diese Freundschaft noch miteinander teilen würden. Irgendwie hatte ich im Gefühl, dass es ihm bald nicht mehr so gut gehen könnte.
Dann kam der Tag. Mini hatte ungewöhnliche Zuckungen mitten in der Nacht und ich nahm erst an, dass er vielleicht nur hochgeschreckt war. Am Nachmittag des nächsten Tages sah ich es dann mit eigenen Augen, zog mich an und machte mich mit Mini sofort auf zur Tierärtzin, Christine Berger. Eine sehr nette Frau, die ich jedem nur weiterempfehlen kann. Leider musste ich ziemlich lange warten und bei der Blutabnahme kämpfte mein Kater wie ein Tiger. Mit Medikamenten bepackt, begab ich mich wieder nach Hause. Heimlich mischte ich ihm etwas unter sein Essen und nach einem erneuten Krampf unter der Badewanne, ließ ich ihm erst einmal seine Ruhe. Er würde schon wieder herauskommen, sagte ich mir. Ich legte mich ins Bett, um zu lesen und war irgendwann so müde, dass ich einfach beschloss, das Buch zur Seite zu legen und ein wenig zu schlafen.
Als ich nach ungefähr zwei Stunden wieder aufwachte und nach ihm rief, regte sich nichts. Ich suchte an seinen Lieblingsstellen und dort, wo ich ihn zu letzt gesehen hatte. In einer verwinkelten Ecke meines Flures, in der eine Garderobe hängt, fand ich ihn und musste gar nicht näher nachsehen. Diesen Platz hatte er bisher nie gewählt, um zu schlafen und er wirkte seltsam steif. Nach einer Weile schaffte ich es unter Tränen ihn hochzuheben und in meinem Zimmer auf eine Decke zu betten. Die Nacht schlief ich kaum und zündete Kerzen an, weil ich die Dunkelheit nicht ertragen konnte und es so wenigstens aussah, als würde er einfach nur schlafen.

Die ersten paar Tage ohne ihn, verbrachte ich bei meiner Mutter, die mich und Mini am nächsten Tag, zusammen mit meinem Bruder, abholte. Auch für sie war es seltsam nach so vielen Jahren von Katzenleben, plötzlich vor seiner leeren Hülle zu stehen.
Auch Katjes verhielt sich ziemlich ruhig, als wir mit dem Kater bei meiner Mutter ankamen. Wir wollten am nächsten Tag entscheiden, was wir nun tun sollten und den Tag über informierte ich mich über Bestattungen für Tiere.

Wir wurden bei Portaleum sehr nett begrüßt, hatten uns vorher schon telefonisch angekündigt. Hier hatte ich auch das Gefühl, mit der Trauer um meinen Kater ernst genommen zu werden. Bis dorthin war es von uns aus eine längere Fahrt und die Bestattung hat viel Geld gekostet, aber schließlich gehörte Mini zur Familie und ihn einfach irgendwo zu vergraben, kam für keinen von uns in Frage.
Vor der Verbrennung konnten wir uns noch einmal von ihm verabschieden. Der Bestatter hatte helle Rosenblätter um ihn verteilt und wir streichelten ihn ein letztes Mal.




Eine schöne Urne wird irgendwann noch folgen. Ich habe einfach nichts gefunden, was so recht passte.

Die erste Zeit ohne Mini war sehr schwer. Wenn ich nach Hause kam und wie immer die Tür vorsichtig öffnete wegen ihm, war es still.


(Herumklettern.)

(Immer auf dem Deckchen.)

(Chillen.)




Niemand, der mich begrüßte oder abends zu mir aufs Bett hopste, um sich ebenfalls schlafen zu legen. Niemand, der mir ins Bad oder in die Küche nachlief oder sich mitten auf dem Boden in den Sonnenschein legte. Keine Katzenhaare mehr an meinen Sachen, kein Geruch von Katzenfutter. Kein Gekratze mehr an dem alten Schrank. Keine Getapse, wenn es still war.

Irgendwie habe ich das Gefühl, noch so viel zu sagen zu haben und ihm trotzdem nicht gerecht zu werden.
Mir gab jemand den Rat, schriftlich von ihm Abschied zu nehmen. Vielleicht brauche ich das und habe mich nun allzu lange davor gedrückt.
In letzter Zeit habe ich mich versucht damit abzufinden und nicht zurück zu sehen. Ich wollte mich nicht wieder mit dem Trauern befassen. Und als ich letztens eine Schachtel öffnete, um nachzusehen, was ich hineingetan hatte, fand ich die einzige von Minis Decken, die ich nicht gewaschen hatte (und auch nicht werde) und ein Haarbüschel, dass er einige Tage vor seinem Tod verloren hatte. Ein komisches Gefühl.
Aber warum sollte ich nicht zurückblicken? Es war eine sehr schöne Zeit. Und irgendwann sehen wir uns wieder, wenn auch ich meinen Weg über den Regenbogen antrete.



Bis dann.

Kommentare:

  1. Ich musste ein bisschen weinen beim lesen. Ich bin froh, das es dir geholfen hat. <3

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    1. Es ist schön zu wissen, dass es andere berührt. Dann weiß ich, dass ich es gut gemacht habe. Danke. <3

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  2. Ach Jana, du weißt, ich habe eine starke Abneigung gegen Katzen, aber der Text berührt sogar mich, ich kann deinen Schmerz nachfühlen, so schlimm es auch ist, du kannst dich glücklich schätzen so ein treues Tier an deiner Seite gehabt zu haben!

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